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„Verkündet es von den Dächern“ – Priesterweihe im Mainzer Dom

Ihre Priesterweihe trifft genau mit dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft zusammen: „Die Weihe ist das kleine Endspiel – die Primiz das Finale“, ziehen Frank Blumers und Sebastian Lang humorvoll einen Vergleich.

Eine Zeit, um sich auszuprobieren, dazuzulernen, vielleicht Illusionen „zurechtzustutzen“: Das hatten die beiden jungen Männer vor gut einem Jahr erwartet, als sie zu Diakonen geweiht wurden und als solche in die Gemeindearbeit gesendet wurden. Haben sich ihre Erwartungen erfüllt?
„Es war eine coole Zeit“, schwärmt Frank Blumers, der in Mainz-Hechtsheim tätig war: „Eine Gemeinde, in der es einfach alles gab – 60 Firmlinge, mehr als 50 Erstkommunionkinder, ich konnte mir viel abschauen.“ Als „Highlights“ hat er eine Familienfreizeit in Brebbia und eine Berlinreise mit Besuch der Hechtsheimer Bundestagsabgeordneten Ursula Groden-Kranich empfunden, aber auch die Sternsingeraktion: „Es war toll, mit den Jugendlichen singend durch den Ort zu ziehen.“

Würdig und trotzdem lebensnah verkünden

Manche Fähigkeiten konnte er weiterentwickeln: Pfarrer Michael Bartmann hat er als Vorbild erlebt, wie man den Gottesdienst würdig und trotzdem lebensnah feiern kann, wie man die Menschen bei der Predigt auch mal zum Lachen bringen kann, ohne der Verkündigung Abbruch zu tun. Und mit dem Singen ist Blumers für sich auch „ein Stück weitergekommen“.
Außerdem hat er seine Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen, gut ausbauen können: „Die Zeit lebte von Begegnungen mit den Menschen“, erzählt er. Zum Beispiel mit den beiden Frauen, die er in einem kleinen Glaubenskurs auf ihre Taufe und ihre Firmung vorbereitet hat. Aber auch im größeren Rahmen: „Ich war total integriert in die Gemeide, hatte sofort das Gefühl, da gehörst du jetzt dazu.“
Vier sehr unterschiedliche Gemeinden hat Sebastian Lang in der Mainzer Pfarrgruppe Zaybachtal erlebt: „Ich fand es interessant, wie professionell sie versuchen zusammenzuwachsen“, vor allem die Arbeit des Gesamtpfarrgemeinderats hat ihn beeindruckt. „Die Mitglieder haben ein gutes Selbstbewusstsein – und auch ein Verständnis dafür, dass die Kirche heute neue Wege gehen muss.“

In der Praxis viel gelernt – auch über sich selbst

Höhepunkte waren für Lang die Gespräche vor Taufen, Trauungen oder Beerdigungen: „Ich finde es faszinierend, wie offen die Menschen von ihrem Leben erzählen und nach einer Deutung dafür suchen.“ Zwei Iraner aus dem Flüchtlingsheim hat er auf die Taufe vorbereitet. Das empfand er manchmal als belastend, „weil ich nicht so helfen konnte, wie ich es gern getan hätte“. Andererseits war er beeindruckt von dem „sehr ernsten Umgang“ der beiden mit der Heiligen Schrift. „Sie haben einen viel direkteren Zugang zur Bibel als die Menschen hierzulande“, stellt er fest.
Gelernt hat Sebastian Lang viel während der neun Monate in der Gemeinde, „vor allem über mich selbst“, sagt er. „Manches kann ich doch besser, als ich dachte, anderes weniger gut.“ Mehr Gelassenheit hat er entwickelt, gelernt zu akzeptieren, dass er nicht alles in den Griff kriegen kann. Dass er sich Zeit nehmen muss, Dinge in Ruhe anzugehen. Und – ganz wichtig: „Man findet nie den richtigen Termin für alle!“
In Gruppen, erzählt Frank Blumers, hat er – ohne viel zu machen – oft das Wirken des Heiligen Geistes gespürt. Viele engagierte Menschen haben beide erlebt, Menschen, die sich in der Gemeinde ihr „Arbeitsfeld“ gesucht haben und dafür Verantwortung übernehmen. „Da braucht es die Kunst, sich auf gute Weise zurückzunehmen“, findet Blumers. Herauszufinden, wieviel Begleitung nötig ist, das hat auch Sebastian Lang trainiert, als er die Firmvorbereitung leitete. Leitung wahrzunehmen, andere zu begleiten und ihnen dabei genügend „Luft zu lassen“, das sehen beide Weihekandidaten als wichtige Aufgabe des Priesters. Dazu gehöre es auch, Ehrenamtliche „fit zu machen“, sie auszubilden, damit sie selbst den Glauben weitergeben können.
„Priester ist man nie für sich allein“, sagt Frank Blumers, sondern mit anderen Menschen und für sie. Als gemeinsames Unterwegs-Sein empfindet er das – wie er auch mit einer kleinen Pilgergruppe aus Hechtsheim tatsächlich unterwegs war, zwei Strecken des Jakobswegs gegangen ist.
Und noch etwas haben die beiden Männer in der Gemeindepraxis erkannt: Eine „gute priesterliche Lebenskultur“ ist bei den zahlreichen Aufgaben in der Gemeindeleitung, zu denen auch viele „Verwaltungsdinge“ gehören, unverzichtbar. „Es ist wichtig, Freunde zu haben, Menschen, mit denen man sich austauschen kann“, sagt Frank Blumers. Einen guten Rhythmus zu finden, in dem neben der Arbeit auch Besinnung und Gebet Raum haben, gehört ebenso dazu. „Dem kann ich mich in allen Punkten anschließen“, sagt Sebastian Lang. Und auch auf den sportlichen Ausgleich sind beide bedacht: Im Fitnessstudio bringen sie sich körperlich in Bewegung – und können dabei gut abschalten.

Gemeinsam den Schatz des Glaubens entdecken

Haben sie auch mal daran gezweifelt, dass ihre Entscheidung die richtige ist? Im Gegenteil: „Unser Glaube lohnt es, alles auf eine Karte zu setzen“, sagt Frank Blumers. Und freut sich auf die Fortsetzung des gemeinsamen Unterwegs-Seins mit anderen Menschen in der Kaplanszeit. Mit einer „Schatzsuche“ vergleicht Sebastian Lang diesen Weg: Den großen Schatz, den die Botschaft Jesu und die Tradition des Christentums darstellen, mit anderen zusammen zu entdecken, darauf freut er sich. Und ist sich sicher, dass nicht nur er den anderen dabei helfen kann, sondern dass er auch von ihnen inspiriert wird.
Die beiden Männer sind überzeugt davon, dass sie sich nicht zu verstecken brauchen mit der Botschaft Jesu. Sie wollen weitersagen, was sie erfahren haben „im Dunkeln“, in der Stille des Gebets, wie sie diese Formulierung deuten. Den Glauben „von den Dächern“ verkünden, wie es in ihrem Weihespruch heißt – damit das Feuer überspringen kann.

 

(c) Text und Bild: Maria Weißenberger, Glaube und Leben (27/2014, S.11)

 

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