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Sendungsfeier am 5. September

Nach ihrem Theologiestudium und der pastoralen Ausbildung sendet Kardinal Karl Lehmann Christine Schlechtriem (36) und Michael Langer (30) am 5. September in ihren Dienst als Pastoralreferenten im Bistum. Bei einem Treffen in Mainz erzählen sie, was sie zu ihrer Berufsentscheidung bewogen hat und wie sie sich ihre Arbeit vorstellen.

Als Krankenschwester in der Universitätsmedizin Mainz hat Christine Schlechtriem nicht selten erlebt, „dass Leben und Tod sehr nah beieinander sind“. Sie hat sich näher mit der Thematik beschäftigt und „versucht, meine Erfahrungen – beispielsweise mit Krebspatienten – im Glauben zu verarbeiten“. Vor oder nach ihren Diensten hat sie dazu oft die Gotthardkapelle im Mainzer Dom aufgesucht – und im Dom und in der Domgemeinde St. Martin eine geistliche Heimat gefunden.
Das Vorbild von Pastoralreferentin Barbara Wolf, die damals in der Klinikseelsorge tätig war, hat Christine Schlechtriem beeindruckt: „Ich fand es faszinierend, wie sie die Patienten und auch uns begleitet hat“, erzählt sie. Dies habe sie in ihrer Motivation be-
stärkt, Theologie zu studieren. „Im Krankenhaus gibt es einen hohen Bedarf an seelsorglicher Begleitung“, weiß sie. Und ihr Alltag als Krankenschwester hat ihr gezeigt: „Das kann das Pflegepersonal gar nicht leisten.“

Alle Facetten der Seelsorge in der Gemeinde erlebt

Als Pastoralreferentin würde sie sich dieser Herausforderung gern stellen. Spannend war es für sie aber auch, während ihrer letzten Ausbildungsphase in der Pfarrgruppe Gau-Algesheim „alle Facetten der Seelsorge bedienen zu können“ – angefangen bei der Krankenkommunion über den Religionsunterricht in der Schule bis zur Arbeit mit Menschen aller Altersgruppen in der Pfarrgemeinde.
Gemeinschaft in der Kirche – das war für Michael Langer immer ein Teil seines Lebens, unter anderem in seiner Pfarrgemeinde in Mainz-Weisenau. Als Beispiele nennt er die Messdienerarbeit und die Firmstunden – vor seiner eigenen Firmung und später als Gruppenleiter. „Die Auseinandersetzung mit dem Glauben und das Engagement für die Gemeinde haben für mich immer zusammengehört.“ Dabei bewunderte er die Gemeindereferentin Lioba Breu-Wedel: „Wie sie es geschafft hat, dass wir uns als Jugendliche eingebracht haben – das war einfach großartig.“ Schon damals ist ihm eine Spannung aufgefallen, die ihn heute – als Religionslehrer und Schulseelsorger in der St.-Lioba-Schule Bad Nauheim – wieder beschäftigt: „Wie gelingt es mir, die Jugendlichen zu motivieren, ohne sie zu nötigen?“
Die Themen der Schüler mit dem Glauben in Verbindung bringen – das ist Langer wichtig. Als „Highlight“ hat er die Reflexionstage der zehnten Klassen empfunden, die fest zum Programm der Schulseelsorge gehören. „Eine Woche lang die Schüler in einer anderen Umgebung, außerhalb des Schulalltags, kennenzulernen, ihre Fragen wahrzunehmen und Impulse zu geben“, das begreift er als große Chance.

Mit der Seelsorge im System Schule seinen Platz finden

„In der Schule können wir die Jugendlichen noch erreichen“, weiß er. Deshalb liegt ihm daran, Methoden und Inhalte zu finden, mit denen er die Schüler interessieren kann. „Etwas entwickeln zu können – und sich dabei auch selbst zu entwickeln“, das macht ihm Freude. Er hat Spaß am Planen und Organisieren, mag gern mit anderen zusammen etwas gestalten – das alles kann er im Beruf gut gebrauchen, sagt er.
Mit der Seelsorge im System Schule seinen Platz zu finden, das sei eine Herausforderung. „Manchmal ist das anstrengend, aber es macht den Beruf auch spannend“, sagt Langer. Er unterrichtet gern, aber auch die Arbeit im Jugendverband der GCL (Gemeinschaft christlichen Lebens), die in der Schule Gruppenstunden anbietet, spricht ihn an. Dabei findet er es nicht zuletzt wichtig, den Gruppenleitern Wertschätzung zu zeigen und sie für ihre ehrenamtliche Aufgabe zu motivieren.

Mitarbeiter nicht nur als Leistungserbringer sehen

„Jeden Einzelnen mit seinen Talenten und seiner Meinung wertzuschätzen“, das ist auch Christine Schlechtriem wichtig. Sie will Ehrenamtlichen Raum geben, um ihre Ideen einzubringen, ob bei der Vorbereitung des Familiengottesdienstes oder im Pfarrgemeinderat. „Auch mal Danke sagen“, gehört für sie unbedingt dazu – nicht nur den Ehrenamtlichen gegenüber. „Ich habe viele Teams erlebt, und ich kann von mir sagen, dass ich teamfähig bin“, sagt sie. Die Zusammenarbeit macht ihr Freude – ob in der Gemeinde, der Kindertagesstätte, dem Lehrerkollegium der Schule.
Im Team der Pfarrgruppe, das sich alle zwei Wochen zur Reflexion und Planung trifft, fühlt sie sich wohl. Und erlebt Pfarrer Henning Priesel als einen guten Chef: „Er schätzt uns alle als Person, nicht nur als Leistungserbringer.“
Nach den Menschen zu fragen, darauf kommt es den beiden neuen Pastoralreferenten auch bei ihrer Arbeit an. „Was brauchen die Menschen? Kann ich wahrnehmen, was nötig ist? Oder will ich nur meine Ideen anbringen und schaue nicht, ob sie passen?“: Mit diesen Fragen macht Michael Langer deutlich, was für ihn wesentlich zur „Verkündigung der frohen Botschaft“ gehört. Was seine berufliche Zukunft betrifft, so ist er für vieles offen – wobei ihn die Sozialpastoral ganz besonders reizt, wie er sagt. Dass es auch Durststrecken geben kann, ist Langer bewusst. „Dann wird es gut tun, sich wieder zu erinnern: Warum wollte ich das damals?“
Der eigenen Berufung auf der Spur bleiben – das geht kaum, wenn man pausenlos beschäftigt ist. Dazu braucht es Freiräume, Zeiten für sich, für Beziehungen und private Unternehmungen. Nicht irgendwann einmal, sondern regelmäßig, etwa indem man freie Tage konsequent von beruflicher Arbeit frei hält. So wie es Pfarrer Priesel seinem Team ans Herz legt. Anfangs schien das Christine Schlechtriem etwas übertrieben. Heute ist sie sicher: „Es ist gut, öfters daran erinnert zu werden: Sorgt für Euch!“
Sendungsfeier – Sendungsspruch

Am 5. September um 10 Uhr im Mainzer Dom sendet Kardinal Karl Lehmann Christine Schlechtriem und Michael Langer in ihren Dienst. Der Sendungsspruch ist dem ersten Johannesbrief entnommen. Er lautet: „Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es.“ (1 Johannes 3, 1a) Unter diesem Leitwort steht auch der Gottesdienst. Danach findet ein Empfang im Priesterseminar statt. (mw)
Christine Schlechtriem

– geboren am 26. Februar 1979 in Olpe/Nordrhein-Westfalen; Heimatgemeinde: St. Servatius in Lennestadt-Kirchveischede (Erzbistum Paderborn)
– Abitur am Gymnasium Maria Königin in Lennestadt-Altenhundem
– Ausbildung zur Krankenschwester, dann Tätigkeit im Universitätsklinikum Mainz und Beheimatung in der Mainzer Domgemeinde St. Martin
– 2006 bis 2011 Studium der Theologie, Schwerpunkt: Kirchengeschichte; daneben Arbeit als Krankenschwester;
– Diplomarbeit zum Thema „Die Neubelebung des Ordensstandes im Bistum Mainz unter Bischof Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler 1850 bis 1877“
– Einsatz während der Berufsausbildung zur Pastoralreferentin in der Pfarrgruppe Mörlen und in der Pfarrgruppe Gau-Algesheim mit Schwerpunkt St. Cosmas und Damian, Gau-Algesheim
– Einsatzort nach der Sendung: Pfarrgruppe Gau-Algesheim (zur Elternzeitvertretung für die Gemeindereferentin)
Michael Langer

– geboren am 15. August 1985 in Mainz; Heimatgemeinde: Mariä Himmelfahrt, Mainz-Weisenau
– Abitur am Gymnasium Theresianum in Mainz
– Zivildienst bei der Johanniter-Unfallhilfe
– Studium der Theologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Studienschwerpunkt: Pastoraltheologie
– Diplomarbeit zum Thema „Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend und seine Adressaten. Katholische Jugendverbandsarbeit von gestern und ihre Herausforderungen von heute“, ausgezeichnet mit dem Feldbausch-Preis des Studienjahrs 2010
– Einsatz während der Berufsausbildung zum Pastoralreferenten in der Pfarrgruppe Bib-lis, und in der St. Lioba-Schule in Bad Nauheim in Religionsunterricht und Schulseelsorge
– Einsatzort nach der Sendung: St. Lioba-Schule Bad Nauheim

 

(c) Text und Bild: Glauben und Leben/ Maria Weißenberger