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Erneuerung und Hinkehr zur ersten Liebe – Interview mit Sr. Ancilla-Maria Ruf zum Jahr der Orden

Am 1. Advent 2014 beginnt das „Jahr der Orden“, das Papst Franziskus ausgerufen hat und das bis zum 2. Februar 2016 in der Weltkirche gefeiert werden soll. Wir haben dazu im Newsletter vom November 2014 ein Interview mit Sr. Ancilla-Maria Ruf, der Vorsitzenden des Ordensrates im Bistum Mainz, veröffentlicht, das wir hier mit leichten Veränderungen dokumentieren.
Liebe Schwester Ancilla, Papst Franziskus hat das Jahr des Geweihten Lebens ausgerufen. Was ist darunter genau zu verstehen?
Das von Papst Franziskus für 2015 ausgerufene Jahr des Geweihten Lebens soll innerhalb der geistlichen Gemeinschaften die Neubesinnung auf ihre Berufung anregen und die Bedeutung des „Geweihten Lebens“ (Orden, Säkularinstitute, Neue Geistliche Bewegungen) für Kirche und Gesellschaft neu ins Bewusstsein heben. Maßstab bei dieser Neubesinnung ist das Leben nach dem Evangelium. Ordensgemeinschaften und geistliche Gemeinschaften sollen ihr Leben daran messen, ob sie in der heutigen Zeit Orte sind, in denen (wieder) „Glauben leben gelernt“ werden kann (nach Kardinal Lehmann).

Um sein Leben Gott zu weihen, braucht es eine geistliche Berufung. Wie würden Sie diese erklären?
Eine geistliche Berufung ist m. E. ein ganz persönlicher Anruf Gottes an den Menschen, der eine Antwort auf diesen Ruf gibt, weil er überzeugt ist, dass Gott das Beste für ihn will. Zwischen dem Anruf Gottes und der Antwort des Menschen liegt oft eine Zeit des Widerstandes, des Ringens, Suchens und Fragens. Der Mensch, der bemüht ist, nach Gottes Willen zu leben, wird – mit Hilfe einer guten Begleitung – bei sich feststellen, ob er bei einer Entscheidung inneren Frieden oder Unfriede und Verwirrtheit erfährt.
Eine geistliche Berufung ist immer mit einer Sendung verbunden, d. h. der Bereitschaft, sich von und für Gott und die Menschen in Dienst nehmen zu lassen.

Wie werden die geistlichen Berufungen im Bistum Mainz gelebt?
An erster Stelle stehen die Priester und Diakone, die nicht nur eine geistliche Berufung leben, sondern geistliche Menschen sind, das heißt Menschen, die von Gott gerufen und gerüstet sind, für Ihn und das ganzheitliche Heil der Menschen verfügbar zu sein. Außerdem gibt es in unserem Bistum 23 verschiedene Frauenklöster, 9 Männerorden und 6 Säkular-institute. Es gibt mindestens 14 gottgeweihte Jungfrauen (Virgines consecratae).
Mit dieser Antwort ist die Frage „Wie werden die geistlichen Berufungen im Bistum Mainz gelebt?“ nur zum Teil beantwortet, denn ich bin überzeugt, dass viele Frauen und Männer im kirchlichen Dienst und/oder in ihren Familien ein geistliches Leben führen, weil für sie der Wille Gottes ausschlaggebend und prägend ist.

Wie wird das Jahr des Geweihten Lebens im Bistum begangen?
Der Ordensrat hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit diesem Thema befasst und hat einige Veranstaltungen vorgesehen.
Dazu gehören:
• Der 2. Februar, der jedes Jahr als „Tag des Geweihten Lebens“ in besonderer Weise begangen wird. 2015 wird er wieder im Priesterseminar Mainz mit ca. 150 Ordensleuten stattfinden. Für den 1. Teil ist ein Referat von Pater Dr. Michael Schneider SJ mit anschließender Gruppenarbeit vorgesehen. Der 2. Teil ist von der Liturgie des Festes Darstellung des Herrn – Kerzenweihe, Lichterprozession und Eucharistiefeier – unter Leitung von Herrn Regens Dr. Udo Bentz geprägt. Zu diesem Teil ist auch die Öffentlichkeit eingeladen.
• Eine weitere größere Veranstaltung findet am 28. September 2015 als Ordenstag auf dem Rochusberg in Bingen statt. Dieser Tag wird von Domkapitular Klaus Forster und P. Dr. Heiner Wilmer (Herz-Jesu-Priester) begleitet.
• Als Abschluss des Jahres des Geweihten Lebens 2016 wünschen sich die Ordensleute des Bistums ein Pontifikalamt mit unserem Bischof Karl Kardinal Lehmann im Hohen Dom zu Mainz. Dazu sollen alle Gläubigen eingeladen werden.

Die Deutsche Ordensobern-Konferenz (DOK) hat ein eigenes Logo für das Jahr des Geweihten Lebens veröffentlicht, das alle Orden und Verbände auch für eigene Aktivitäten nutzen können. Voraussetzung für ein fruchtbares Jahr des Geweihten Lebens ist jedoch die persönliche Besinnung auf die eigene geistliche Berufung und die Erneuerung und Hinkehr zur „Ersten Liebe“. (s. Offb 2,2f).

Was würden Sie einem jungen Menschen sagen, der heute überlegt, einer geistlichen Gemeinschaft beizutreten?
Unverzichtbar dabei ist die Frage nach dem Gottesbild und der Beziehung zu Jesus Christus. Die zweite wesentliche Frage ist die nach der Gemeinschaftsfähigkeit. Von hoher Bedeutung ist die Frage nach der Motivation für die Verbindlichkeit eines Lebens nach den Evangelischen Räten. Die beste Hilfe für einen jungen Menschen, der einen Eintritt in eine geistliche Gemeinschaft in Betracht zieht, ist das Mitleben in einer Gemeinschaft über eine längere Zeit. Wichtig dabei ist, dass ein junger Mensch eine Ansprechperson hat, die ihm die aufkommenden Fragen beantwortet. Ein Kriterium bei der Suche nach einer geistlichen Gemeinschaft ist, ob sie sich in ihrem Leben nach dem Evangelium ausrichtet, und ob das Verhalten der Schwestern oder Brüder auch außerhalb der Gebetszeiten authentisch ist, d. h. dass das Evangelium auch gelebt wird (Freude, Versöhnung, Geschwisterlichkeit). Ein weiteres Kriterium für den Suchenden ist die Frage, ob er in einer geistlichen Gemeinschaft wachsen und reifen kann, ob er authentisch leben und arbeiten kann, einfach gesagt, ob er glaubt, dass er in dieser Lebensform glücklich werden kann und sein Glück mit anderen Menschen teilen kann und will.
Liebe Schwester Ancilla, herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Interviewfragen stellte Markus Lerchl.

Unsere Gesprächspartnerin
Schwester Ancilla-Maria Ruf (*1938) ist gelernte Krankenschwester und hat Sozialarbeit auf Diplom studiert. 1960 trat sie in den Orden der Kreuzschwestern ein. Sie war u.a. lange Jahre in der Schul- und Internatsleitung der Pflegevorschule Bingen-Rochusberg sowie der Noviziatsleitung ihres Ordens tätig. Seit 2008 ist sie Vorsitzende der AG Frauenorden, seit 2012 auch Vorsitzende des Ordensrates im Bistum Mainz.

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