06131-253 536
Himmelgasse 7 · 55116 Mainz

Aktuelle Nachrichten

Infostelle Berufe der Kirche

„Der Mensch wird von Gott den Weg geführt, den er wählt.“

Pater Prior Gallus Kappel OSB nach einer jüdischen Weisheit

Zu Gast bei den Missionsbenediktinern im Kloster Jakobsberg

Einladend ist er, der Jakobsberg mit dem „grandiosen Ausblick über das Rheintal“. So beschreibt es Pater Prior Gallus Kappel OSB. Er lebt dort oben und leitet die Gemeinschaft der Missionsbenediktiner, die sich im Kloster auf dem Jakobsberg niedergelassen hat. Er hat sich auf unsere Fragen eingelassen und stellt Ihnen mit seinen Antworten das Kloster vor. Begleiten Sie ihn auf einem Streifzug durch die Geschichte der Missionsbenediktiner, seine eigene Berufungsgeschichte und das Leben auf dem Berg:

Bei Benediktinern denken viele vielleicht zunächst an einen monastischen Orden, an die Struktur von „ora et labora“, an Klausur und Zurückgezogenheit. Sie auf dem Jakobsberg gehören zu den Missionsbenediktinern. Was genau sind Missionsbenediktiner? Wo liegen die Wurzeln dieser/Ihrer Gemeinschaft.

Im Jahre 1884 gründete der Beuroner Benediktiner P. Andreas Amrhein im oberpfälzischen Reichenbach eine Gemeinschaft, die nach mittelalterlichem Vorbild das traditionelle benediktinische Leben mit der Missionstätigkeit verbinden wollte. Reichenbach war geographisch wenig günstig, und da überdies der Bischof von Regensburg Amrhein bekämpfte, wurde die Gründung 1887 nach Emming in Oberbayern verlegt. Der alte Weiler besaß eine kleine Kapelle, die der hl. Ottilia geweiht ist, so dass der Name des Klosters sofort feststand: St. Ottilien.

Im gleichen Jahr wurde die erste Missionarsgruppe nach Ostafrika ausgesandt. Bis heute ist St. Ottiliens größte Aufgabe die Unterstützung junger Kirchen im Aufbau und die Mithilfe bei der Einpflanzung benediktinischen Klosterlebens in überseeischen Ländern.

Ende 1960 erwarb die Erzabtei St.Ottilien der Missionsbenediktiner das Kloster auf dem Jakobsberg, um vorsorglich Lebens- und Arbeitsraum für Mitbrüder zur Verfügung stellen zu können, denen die Ausweisung aus den Missionsgebieten, vor allem in Tanzania, drohte. Am 31. Januar 1961 kam die Gründungsgruppe von St. Ottilien auf den Jakobsberg. Die Priester der Gemeinschaft unterstützten durch Aushilfen die Seelsorge in den Gemeinden der Umgebung. Die Brüder widmeten sich der Landwirtschaft und dem Obst- bzw. Gemüsegarten, um den Lebensunterhalt der Gemeinschaft sicherzustellen. Exerzitienkurse im Haus St.Christoph und die Jugendarbeit in der ehemaligen Pilgerhalle kamen als weitere Akzente der Arbeit auf dem Jakobsberg hinzu.

In der Mitte der siebziger Jahre begannen Überlegungen über die weitere Entwicklung des Klosters auf dem Jakobsberg. Die räumlichen Gegebenheiten waren für eine weitere Entwicklung wenig geeignet: Die geologische Situation des Jakobsberges hatte nicht nur im Altbau östlich der Kirche, sondern auch im erst 1947 erstellten Klostergebäude schwere Schäden bewirkt. Die Unterbringung der Gäste im Altbau war äußerst einfach, ja sogar spartanisch und liess für die Arbeit mit Gruppen wenig Raum. Zunächst wurden bauliche Veränderungen durchgeführt, um mit den vorhandenen Gegebenheiten die Arbeit auf dem Jakobsberg zu verstärken.
Im weiteren Vorgehen wurde über ein neues Konzept des benediktinischen Lebens auf dem Jakobsberg nachgedacht. Den Mittelpunkt sollte das Leben der Mönche bilden, das durch Gebet, Arbeit und geistliche Lesung geprägt ist. Zudem sollten die Aufgaben auf dem Jakobsberg konzentriert werden, so dass die Gemeinschaft der Mönche nicht durch ein Übermaß an Aufgaben außerhalb des Klosters auseinander gerissen wird.

beim Gebet ...

beim Gebet …

Brüder beim Essen ...

Brüder beim Essen …

Die Begleitung von Gruppen im Rahmen der Erwachsenenbildung und Jugendarbeit eröffnete ein weites Aufgabenfeld, das sich trotz der einfachen räumlichen Möglichkeiten schon abgezeichnet hatte. Seit 1980 begleitet einer der Patres die Gemeinde Ockenheim als Pfarrer.

In einem beispielhaften Kooperationsprojekt wurden die Voraussetzungen geschaffen, ein neues Kloster samt Jugendhaus zu bauen. Im Juli 1980 begannen die Bauarbeiten, 1982 war das Jugendhaus fertig, und am 9. und 10. Juli 1983 wurden Kloster und Gästehaus feierlich eingeweiht. Anfang der 1990er folgte der Bau des Bildungshauses.

Die Veranstaltungshalle

Die Veranstaltungshalle


Was ist das Besondere an der Berufung Ihrer Gemeinschaft?

Wir leben unsere Berufung weitestgehend hier auf dem Jakobsberg. Ein Mitbruder ist Pfarrvikar in Ockenheim, dem Ort am Fuß des Berges, ein anderer Mitbruder ist mit einer halben Stelle Klinikseelsorger in Worms. Das heißt im Umkehrschluss: sieben der 9 Mitbrüder wirken vorwiegend auf dem Berg. Was vielleicht auch noch erwähnenswert ist:

Oft werden die Benediktiner identifiziert mit „ora et labora“, also mit „bete und arbeite“, klassischerweise besteht unser Leben aber aus einem Dreiklang: „ora et labora et lege“, also bete, arbeite und lese. Die Schriftlesung und die Lektüre geistlicher Bücher ist ein vom hl. Benedikt wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens.

Wie verstehen Sie heute „Mission“? Was sind die Herausforderungen der heutigen Zeit, denen sich der christliche Glaube gegenüber sieht?
Der Begriff der Mission hat sich stark verändert. Früher war damit in erster Linie die Evangelisierung der Menschen in Übersee verbunden. Heute hat sich das Verständnis in zwei gleichberechtigte Stränge aufgeteilt:
Zum einen geht es in der „klassischen Mission“ nicht nur um Hilfe für Arme und Kranke, um Schul- und Berufsausbildung von jungen Menschen, um Unterstützung der Partnerkirchen in der Priesterausbildung, um Planung und Mitwirken bei Projekten z.B. in der Wasserversorgung und zum Schutz der Umwelt, sondern auch um die Betreuung eines großen Spenderkreises, um die Weiterleitung der zumeist zweckgebundenen Mittel, um gute Zusammenarbeit unter den Klöstern der Kongregation und mit anderen missionarischen Einrichtungen.

Der zweite Strang ist die Mission, wie ich sie vom Auftrag des „Ite missa est“ am Ende des Gottesdientes her verstehe. Dieses „Ite missa est“ wird übersetzt mit „Gehet hin in Frieden“; wörtlich heißt es aber: „Geht, es ist Sendung!“ Unsere Sendung ist es, das Evangelium zu leben und zu verkünden, da wo wir gerade stehen, das heißt für uns: Hier auf dem Jakobsberg.

Was erwartet die Menschen, wenn Sie zu Ihnen auf den Jakobsberg kommen?
Zunächst erwartet die Menschen, bevor sie die Gebäude betreten ein grandioser Ausblick über das Rheintal. Genau gegenüber liegt die Abtei St. Hildegard, links davon sieht man das Niederwalddenkmal und durch die Bäume glitzert der Rhein.

Blick ins Rheintal

Blick ins Rheintal

In der Kirche sind unsere Gäste eingeladen, mit uns das Gotteslob zu singen. Wir beginnen mit der Vigil und den Laudes um 6.15 Uhr. In der Mitte des Tages, um 12.00 Uhr singen wir die Mittageshore. Die Vesper um 18.00 Uhr ist in die Hl. Messe integriert. Der Tagesabschluss bildet die Komplet um 20.30 Uhr.
In unserem Klosterladen besteht die Möglichkeit, neben Wein aus unserem eigenen Klosterweingut auch Nudeln aus eigener Herstellung aus St. Ottilien zu kaufen, daneben haben wir handgemachte Seifen und die übliche Produktpalette, die man in einem Klosterladen erwartet.

Wer kommt zu Ihnen und für welche Anliegen sind Sie da?
Es kommen ganz unterschiedliche Menschen zu uns. Zum einen sind da Menschen, die an Kursen und Seminaren teilnehmen, die bei uns im Bildungshaus angeboten werden. Dann Menschen, die in unserem Gästehaus ein paar Stille Tage machen und Gespräche mit unserem Gastpater suchen. An den Sonn- und Feiertagen kommen Gottesdienstbesucher aus der näheren und weiteren Umgebung zu uns auf den Berg oder Menschen, die eine Aussprache oder ein Beichtgespräch wünschen. Dann zuletzt Menschen, die ganz „zufällig“ auf den Berg kommen, ohne zu wissen, dass es hier ein Kloster gibt.

Für alle sind wir da und wir freuen uns auf die Begegnungen mit ihnen.

Es leben auch 4 philippinische Benediktinerinnen auf dem Berg in einem eigenen Bereich, wir sind also ein „Doppelkloster“. So kommen auch einmal im Monat philippinische Mitchristen zu uns, für die wir einen philippinischen Gottesdienst halten. Im Anschluss teilen wir miteinander die mitgebrachten Speisen. Es ist immer wieder eine Begegnung der besonderen Art.

Sie sind der Prior Ihrer Gemeinschaft. Was bedeutet es, heute eine Ordensgemeinschaft, wie die Ihre zu leiten? Welche Schwierigkeiten aber auch welche Hoffnungen bewegen Sie?
Wir sind im Gegensatz zu unserer Erzabtei St. Ottilien, zu der wir gehören, eine recht kleine Gemeinschaft. Einmal pro Woche treffen wir uns, um anstehende Fragen zu besprechen.

Gemeinschaft der Missionsbenediktiner auf dem Jakobsberg

Gemeinschaft der Missionsbenediktiner auf dem Jakobsberg

Der hl. Benedikt rät dem Oberen: „Tue alles mit Rat, dann brauchst du nach der Tat nichts zu bereuen“. Das halte ich heute für einen ganz wichtigen Grundsatz; auf der einen Seite schafft es Transparenz und auf der anderen Seite werden gemeinsam getroffene Entscheidungen auch von allen mitgetragen. Ich sehe daher meine Aufgabe eher als die eines Koordinators. Wichtig finde ich es auch, nicht zu viele Termine außerhalb des Klosters zu haben, sondern ganz einfach „da-zu-sein“.

Auf welchen Wegen sind Sie an den Ort gekommen, an dem Sie heute sind? Wo haben Sie ganz besonders gespürt: Da hat Gott etwas mit mir vor!

Pater Prior Gallus Kappel OSB

Pater Prior Gallus Kappel OSB

Ich komme aus einer gut katholischen Familie aus Bingen-Büdesheim, kann also von hier oben aus nach Hause schauen. Das ich Priester werden wollte, war für mich schon immer klar, doch nie genau der Weg dorthin. Über den zweiten Bildungsweg kam ich zum Abitur und dann über „verschlungene Pfade“ vor 20 Jahren nach St. Ottilien, wo ich ins Kloster eintrat. Seit fünf Jahren bin ich nun hier auf dem Berg.
Wenn ich auf diese Jahre zurückblicke, spreche ich gern von „verschlungenen Pfaden“ und nicht von „Umwegen“, auf denen ich zum Priester und Ordensberuf gekommen bin. Mein Fazit lautet:

„Der Mensch wird von Gott den Weg geführt, den er wählt“; da bin ich mir ganz sicher und kann dies am eigenen Leben sehen.

Was dabei wichtig ist, ist die Offenheit für den je eigenen Weg zu Gott.

Was empfehlen Sie jungen Menschen, die sich die Frage stellen, ob ein Leben in einem Kloster, in einer Ordensgemeinschaft etwas für sie ist?
Als erstes kann ich da nur die Einladung Jesu wiederholen: „Komm und sieh!“, dazu muss dann zweitens auch eine Entschlossenheit kommen. Bei mir war das so: Als ich im Mai 1995 nach St. Ottilien kam war meine erste Gebetszeit die Mittagshore. Ich saß und der Kirche und sah die Mönche in die Kirche kommen, da sagte ich mir: „das ist das richtige Kloster, hier will ich bleiben“. Und so bin ich eingetreten.

So schnell geht das vielleicht nicht bei jedem, doch ich kenne auch junge Menschen, die jahrelang überlegen, sich ein Kloster nach dem anderen anschauen und dann doch am Ende zu keiner Entscheidung finden, oder denen der Mut fehlt, den entscheidenden Schritt zu tun.

Wir freuen uns jedenfalls immer über junge Männer, die die Berufung zum Ordensleben in sich spüren und einfach einmal eine Woche mitleben möchten; denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Kontakt:
Mail: prior@klosterjakobsberg.de
Homepage: www.klosterjakobsberg.de
Facebook: https://www.facebook.com/Klosterjakobsberg1