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Virgo consecrata – Geweihte Jungfrau

Project Description

Die Berufung zu einem Leben als Virgo consecrata bringt eine sehr individuelle Lebensentscheidung mit sich. Frauen, die diese Berufung spüren und sich entschließen, diesen Weg zu gehen, tun dies im Bewusstsein, dass sie diesen Weg selbständig, ohne Anbindung an eine größere Gemeinschaft gehen.

Weihbischof Dr. Ulrich Neymeyer, der im Bistum Mainz für die Begleitung der geweihten Jungfrauen zuständig ist, erklärt in einem Interview die Bedeutung dieses Standes.

„Gottgeweihte Jungfrauen“ – eigentlich ein Begriff, der nicht so recht in unsere Zeit zu passen scheint. Worin liegt für Sie das Besondere an dieser Berufung – gerade auch für unsere Zeit?

Sein Leben einer Sache oder einem Anliegen weihen, ist auch heute attraktiv. Die Leute von greenpeace z.B. genießen hohes Ansehen. Wenn jemand sein Leben Gott weiht, ist das für viele auch beeindruckend, weil sie spüren, wie viel diesem Menschen sein Glauben bedeutet. Der Begriff Jungfrau dagegen wird heute mit sexueller Unerfahrenheit gleichgesetzt und ist damit eher negativ besetzt. Dass eine Frau, die sich für die Jungfräulichkeit entscheidet, damit die jungfräuliche Brautschaft der Kirche in ihrem Verhältnis zu Jesus Christus abbildet bleibt den allermeisten – auch katholischen Zeitgenossen – fremd.

Wie wird man eine „Gottgeweihte Jungfrau“ – eine Virgo consecrata hier bei uns im Bistum Mainz, an wen muss man sich wenden?

Zuständig für die Spendung der Jungfrauenweihe und ihre Vorbereitung darauf ist der Bischof. Im Einzelfall beauftragt er mich, mit den Interessentinnen zu sprechen und die Bewerberinnen zu begleiten.

Was geschieht im Weihegottesdienst und welche Auswirkungen für das alltägliche Leben der Frau hat die Weihe?

Im Zentrum des Weihegottesdienstes steht das Versprechen der Kandidatin, jungfräulich zu leben. Da sie dies eingebunden in das jungfräuliche Brautverhältnis der Kirche zu Jesus Christus tut, verspricht sie auch, das Stundengebet der Kirche zu verrichten. In der Weihehandlung nimmt Jesus Christus dieses Versprechen der Frau an. Dies wird in einem feierlichen Weihegebet ins Wort gehoben und durch die Übergabe eines Ringes und einer brennenden Kerze symbolisiert.

Wie viele Frauen gibt es, die bei uns im Bistum Mainz in diesem Stand leben und bilden diese so eine Art Gemeinschaft?

Zur Zeit gibt es in unserem Bistum einen Kreis von 12 geweihten Jungfrauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Berufe. Das Leben als geweihte Jungfrau ist eine sehr individuelle Lebensweise. Ein Leben in Gemeinschaft oder gemeinschaftliche Elemente sind nicht vorgesehen. Dennoch lade ich einmal im Jahr die geweihten Jungfrauen zu einem Besinnungstag ein.

Was geben Sie den Frauen, die vor der Frage stehen, ob das eine Lebensform für Sie sein könnte, mit auf den Weg?

Die geweihte Jungfrau ist nicht mit Jesus Christus verheiratet, sondern sie bildet das bräutliche Verhältnis der Kirche als ganzer zu ihrem Herrn Jesus Christus ab.