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Betrachtung angesichts des Kreuzes

Jesus stirbt am Kreuz. reuz im Kreuzgang des Bischöflichen Priesterseminars in Mainz

Kreuz im Kreuzgang des Bischöflichen Priesterseminars in Mainz

Schrifttext: Lk 23,44-49

Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei, und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus. Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch. Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust und gingen betroffen weg. Alle seine Bekannten aber standen in einiger Entfernung (vom Kreuz), auch die Frauen, die ihm seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt waren und die alles mit ansahen.

Impuls:

Ganz menschlich wirkt er auf mich, dieser Jesus am Kreuz. Seine Arme und sein Körper sind stark, muskulös. Seine Ausstrahlung ist natürlich.
Sein Gesicht ist nach rechts unten geneigt. Die Augen sind geschlossen. Er sieht jung aus, die Gesichtszüge sind eben, freundlich, schön. Und was mich fasziniert: ganz entspannt. Fast sieht es aus, als würde er schlafen.
Irgendwie widersprüchlich diese Darstellung: aufs Grausamste ermordet, an diesem Kreuz aufgehängt, durch Ersticken zu Tode gekommen. Und: Er wirkt entspannt, zufrieden, ganz ruhig.

Wie sehr wünsche ich mir das manchmal: In den Stürmen des Lebens ruhig zu bleiben, Gelassenheit, weil Geborgenheit zu finden.

Seine Arme wirken eher ausgestreckt als durchgehängt. Ausgestreckt zwischen Himmel und Erde hängt Jesus da. Seine Arme laden mich ein, mich in sie hineinzugeben. Mich und meine Leiden, mich und meine Leidenschaften mit ans Kreuz zu bringen. Sie ihm in den Schoß oder vielleicht eher ans Herz zu legen.
Denke ich an diese Möglichkeit: In den Stürmen des Lebens Ruhe zu finden bei ihm, mich in seine einladenden Arme zu begeben? Mich zu lassen, weil er mich hält? Oder halten kann? Ist es für mich eine Möglichkeit, auf den zu bauen, der weiß, was Leiden heißt. Der es am eigenen Leib erfahren hat? Der Ruhe gefunden hat – und dem Vater alles in die Hände gegeben hat.

Im Moment des Todes hat der Hauptmann erkannt, dass Jesus wirklich der Sohn Gottes ist. Der dunkle Moment ist für ihn zur Erhellung, zur Erkenntnis geworden. An den Geschehnissen um ihn herum und an Jesu Vertrauen hat er es erkannt: Jesus ist Gottes Sohn. „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Wenn ein Mensch in aller Dunkelheit so vertrauen kann, dann lässt mich das nachdenken, dann führt mich das auf mich selbst zurück: Woher nimmt er diese Kraft? Woher dieses Vertrauen? Woher diese Gelassenheit? Vielleicht ist das der größte Gottes-Beweis …
Das wünsche ich mir: Dass ich im und am Kreuz Christi erfahre: Gott geht mit durch alles Leid der Welt. Ich wünsche mir, dass ich im Leiden in und an der Welt und der Menschen Gottes Liebe erfahren kann. Ich wünsche mir den tiefen Glauben und das tiefe Vertrauen, das dieser Jesus am Kreuz ausstrahlt.

Guter Gott, schenke mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Gott, schenke mir den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Gott, lehre mich, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

Gott, hilf mir, auf dich zu vertrauen – in allen Lebenslagen.

Gott, schenke mir einen guten Grund und Boden, auf dem ich gehen kann und der mich einmal sicheren Fußes ins Paradies führen wird. Amen.